Der Historische Parcours / Printversion

 

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Der Wahlspruch

Cf. Archive des Departements - Draguignan - 6. Oktober 1751

 

Nachfolgend ein paar Erläuterungen zum Wahlspruch „Dux et Navigantinum Servitas“ auf den Markierungen, der Lateinkenner berechtigterweise irritiert hat.
 
Am 6. Oktober 1751 ersuchte der damalige Konsul (Bürgermeister) Simon CAY den Marquis de Bandol, Ange Hilaire François De BOYER de FORESTA,
um „Siegel und Wappen“ für die Gemeinde Bandol. Im gleichen Dokument gewährt der Grundherr „umsonst“ ein Wappen, darauf ein „grünes Feld mit einem goldenen Stern umrahmt von dem Wahlspruch: Dux et  Navigantium  Securitas“(Beistand und Sicherheit der Seefahrer), der den einzig wahren Leitsatz der Stadt Bandol darstellt! Fehlerhafte Übersetzungen und Interpretationen führten zu unrichtigen Wahlsprüchen (z.B.: Dux Navigantium Servitas oder Salus)
 

Ipso facto geht die Redewendung auf den Markierungen auf einen gebräuchlichen „Sprachfehler“ zurück, der weiterverbreitet oder abgeändert wurde, oftmals ohne Bezug zur historischen Wahrheit.

 

 

Markierung 1 : Büste von Alfred Vivien

Alfred Vivien (1832 - 1909) leitete von 1860 bis 1880 das Internat von Bandol.  Es war 1851 von seinem Vater Jacques gegründet worden. Bis 1908 erlebte die Einrichtung (die sich ursprünglich am Anfang der heutigen Rue des Écoles befand) einen starken Aufschwung. Alfred Vivien, damals ein 49-jähriger Lehrer, wurde 1881 zum Bürgermeister gewählt und stand bis 1902 an der Spitze der Gemeinde.  Millin de Grandmaison schuf 1910 eine Büste zu seinen Ehren.

Während des Krieges, im Dezember 1941, wurde die Büste von Unbekannten, die es auf die Bronze abgesehen hatten, gestohlen. Im Juni 1949 entschied der damalige Bürgermeister Octave Maurel, sie durch eine vom Marseiller Bildhauer Paul Gondard gestaltete Büste aus Carrara-Marmor zu ersetzen. Alfred Vivien hat eine „Monographie de Bandol“ geschrieben, die 1872 in Toulon herausgegeben wurde.

 

 

 

Markierung 2 :

Musikpavillon von Fleury Linossier

Der Musikpavillon wurde im April-Mai 1933

vom Maurerbetrieb Girardi Frères nach den Entwürfen von Fleury Linossier gebaut. Am 4. Juni 1933, an Pfingsten, wurde er von Octave Maurel mit folgenden Worten eingeweiht: „In unserem schönen Land voller Gesang muss es der Öffentlichkeit gegeben sein, guter Musik in eindrucksvoller Stille zuzuhören. Es rechtfertigt unsere Entscheidung, dieses Bauwerk in einer der Musikkunst würdigen Umgebung zu errichten.“
 
Fleury Linossier, 1902 in Paris geboren, war ein französischer Aquarellmaler. Er besuchte die Kunsthochschule in Toulon, machte seinen Abschluss in Architektur und kehrte in seine Heimatstadt Lyon zurück. Dort begann er mit der Gestaltung von Parks und Gärten.  Später zog er nach Bandol, gründete sein eigenes Unternehmen und gelangte mit dem Bau von Feriendomizilen für berühmte Stars wie Gregory Peck, Raimu, Maurice Chevalier oder Mistinguett schnell zu hohem Ansehen.

Im Zweiten Weltkrieg schloss er sich dem französischen Widerstand an und spielte bei der Befreiung des Hafens von Toulon eine wichtige Rolle. Seine Karriere als Kunstmaler nahm in den 60er-Jahren ihren Lauf, und er wurde mit vielen Auszeichnungen, Goldmedaillen und Ersten Preisen gewürdigt. Die Fachpresse beschreibt ihn als einen der talentiertesten Landschafts-Aquarellmaler seiner Zeit und stellt ihn auf eine Stufe mit Joseph Mallord William Turner und Jean-Baptiste Camille Corot. Bis ins hohe Alter von 80 Jahren schuf er eine kolossale Sammlung beispielloser Werke, dann brachte ihn eine fortschreitende Erblindung dazu, die Malerei aufzugeben. Kurz darauf starb er, doch die einzigartigen Arbeiten, die er hinterließ, haben seine Epoche wesentlich mitgeprägt.
Für den Bau des Musikpavillons wählte Fleury Linossier einen ganz speziellen griechisch-maurischen Stil, der gut zu den umliegenden Palmen passte. Auf zwei Rundplatten stellte er sechs Paar Säulen auf, die ein Dach aus drei Reihen rundförmiger, stufig angelegter Ziegel tragen, das von einer Giebelauflage abgedeckt wird.
 
Linossier hat Bandol fest seinen Stempel aufgedrückt, denn er hat nicht nur den Pavillon gestaltet, sondern auch die Schule Octave Maurel, die Grundschule Naron, die Stützmauer der Villa Raimu mit ihren 15 Meter hohen, von Krügen bestückten Arkaden, die Étoile Bandolaise in der Rue Didier Daurat, den Umbau der Gärten und die Sanierung der Fassade des Grand Hôtel am Stadteingang. Nach dem Krieg hat er, neben zahlreichen Villen, das Rathaus, das Deferrari-Stadion und das Hotel Île Rousse in der Avenue Louis Lumière gebaut.

  

Musikpavillon von Fleury Linossier

 

Markierung 3 : Hotel Beau Rivage

Der gesamte Gebäudekomplex wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichtet. Das Luxushotel öffnete 1900 seine Tore. Zu seinen illustren Gästen zählten: Thomas Mann, D.H.  Lawrence, Aldous Huxley, Katherine Mansfield, u.v.a.
Kathleen Beauchamp wurde am 14. Oktober 1888 in Wellington, Neuseeland, geboren und veröffentlichte ihren ersten Text im Alter von neun Jahren. Ab 1903 schrieb sie unter dem Namen ihrer Großmutter Katherine Mansfield.

Um dem Kummer über den Tod ihres Bruders Leslie, der an der französischen Front gefallen war, zu entfliehen, verließ sie London im Oktober 1915 und checkte, nach einem kurzen Aufenthalt in Cassis, im Hotel Beau Rivage ein. Von Januar bis April 1916 wohnte sie in der „Villa Pauline“ (auf dem heutigen Boulevard Georges Clémenceau gelegen). Während dieses Aufenthalts schrieb sie „Prelude“(das zunächst „L‘Aloès“ hieß). 

Mit diesem Werk schaffte sie ihren wahren Einstieg in die Literatur, wo sie später auf dem Gebiet der Novelle eine Vorreiterrolle erlangte.

„Katherine Mansfields Schwerpunktthemen stammen aus ihrer Zeit in Bandol:  die Liebe zum Detail [...], das Zeitgefühl [...], ihre Faszination, zu beobachten, wie sich Anfänge und Enden ineinanderfügen.“


Anfang 1918 kehrte sie nach Bandol zurück in der Hoffnung, eine zuvor diagnostizierte Pleuritis zu kurieren. Am 9. Januar 1923 starb sie an den Folgen ihrer Tuberkulose im Institut Gurdjieff, das im Priorat von Avon, nahe Fontainebleau, angesiedelt war.

In den Wintermonaten 1928/29 und 1929/30 waren auch David Herbert Lawrence und seine Frau Frieda zu Gast im Beau Rivage, wie ihre Freundin Katherine Mansfield vor ihnen. Im Frühjahr 1928 kam in Florenz „Lady Chatterleys Liebhaber“ heraus. Im Winter 1929-1930 erhielt das Paar Besuch von Aldous Huxley und dessen Frau Maria, die sich später in einer Villa in der felsigen Gegend von La Gorguette niederließen. 


Lawrences Gesundheitszustand verschlechterte sich rapide, und Anfang 1930 kam er ins Sanatorium Ad Astra in Vence. Er starb in Vence am 2. März in seinem Haus „Robermonde“, kurz vor seinem 45. Geburtstag.

 

Hotel Beau Rivage (c) pointusdebandol.com  

 

Katherine Mansfield

 

David Herbert Lawrence

 

Markierung 4 : Berufsverband der Fischer

 

" Der Berufsverband der Fischer ist eine juristische Einrichtung der Berufsfischerei, die auf königliche Ordonnanz vom 4. April 1792, unterzeichnet von Ludwig XVI., in Antibes, Bandol und Sanary gegründet wurde.“
 

Erste Spuren einer Fischereivereinigung im Mittelmeer stammen zum Teil aus den Archiven des Arbeitsgerichts von Marseille, wo Letters Patent von 1452 und 1477 des Königs René, Graf der Provence, hinterlegt sind, welche 1481 von König Ludwig XI. bestätigt wurden, der somit eine professionelle Fischereigerichtsbarkeit unter dem Namen „Prud‘homies“ ins Leben rief.
 
Nach dem Vorbild der Verbände von Sète, Marseille und Toulon forderten die Fischer von Bandol, Antibes und Saint Nazaire (jetzt Sanary) drei Jahrhunderte später per Unterschriftensammlung die Gründung einer Fischereigerichtsbarkeit in ihrem Hafen. Am 4. April 1792 trat ein entsprechendes Gesetz in Kraft.
 
In dem Gerichtsgebäude werden heute noch Versammlungen von Fischern abgehalten.
 
Zehn Jahre lang (1970-1980) war der Golf von Bandol ein bedeutender Standort für den Sardinenfang mit einem „Lampara“-Netz.
Gegenüber der Prud‘homie wurde 2004 zu Ehren von Clément Bonnegrace, der Kapitän, Verbandsvorstand, Hafenmeister und Stadtrat war, eine Gedenktafel angebracht.

 

"La Madrague ou la Pêche du Thon vue du Golfe de Bandol".

von Joseph Vernet (1714-1789)

(c) Musée National de la Marine

 

Markierung 5 : Hafenanlage und Pier

Ab 1752 diskutierte die Stadtverwaltung unter dem Vorsitz von Bürgermeister Simon Cay über den Bau einer Anlegestelle für das Ein- und Ausschiffen von Gütern.

Der Bau des Piers wurde allerdings erst 1847 in Angriff genommen.  Felsblöcke aus zwei Steinbrüchen auf der Insel Bendor wurden auf Schleppkähnen und mit einer kleinen Eisenbahn auf Pfählen antransportiert. Aus Geldmangel wurden die Bauarbeiten 1850 eingestellt, und der Pier diente letztendlich nur als parallel zur Küste verlaufender Wellenbrecher.

Unter der Leitung von Joseph Antoine Cayol wurde der Pier von 1857 bis 1858 schließlich fertiggestellt und mit dem Festland verbunden.
1868 bat die Stadtverwaltung unter dem Vorsitz von Jean-Baptiste Blanchely darum, am Ende des Piers einen Leuchtturm zu errichten und den Kai um 40 Meter zu erweitern.

Unter der Verwaltung von Alfred Vivien wurde zugunsten der Fischer ein tiefgreifender Umbau des Hafens beschlossen. Die Bauarbeiten hierzu endeten 1885.
Während der Belagerung von Toulon im Jahr 1793 wurde André Pons de l‘Hérault (1772-1853, während der Revolution Marat-Lepeletier genannt), der stadtweit bekannt war, weil er 32 Einwohner von Bandol vor der Guillotine gerettet hat, indem er sie vor dem Gericht in Grasse verteidigte, von General Jean-François Carteaux zum Befehlshaber über die Kanoniere und Batterien von Fort La Motte ernannt.


Im März 1794 lernte er Bonaparte kennen, den General der südfranzösischen Artillerie. (Die Büste von Pons de l‘Hérault ist in der Eingangshalle des Rathauses ausgestellt).
Drei der Kanonen des Forts dienten als Verankerungen für den Pier. Später wurden sie restauriert, wobei eine davon am Ende des Piers aufgestellt wurde. Einige Steine der Festung aus der Zeit, als diese niedergerissen wurde (siehe Markierung 8), sollen sich auf dem Kai befinden (westliche Seite des Hafens bis zur Anlegestelle Ricard).

 

 

 

 

 André Pons de l'Hérault

 

Ankerplatz - Im Vordergrund ist eine Kanone erkennbar

 

 

Bandol Hafen heutzutage

 

Markierung 6 : Bendor

Die Insel Bendor wurde 1950 von dem Industriellen Paul Ricard gekauft, dem Erfinder des gleichnamigen Pastis-Likörs. Er taufte sie auf ihren früheren Namen „Bendor“.
 
Ursprünglich soll die Insel ein Zufluchtsort für Piraten und Schiffbrüchige gewesen sein.  Bis ins späte 19. Jahrhundert wurde sie für die Produktion von Blumen (Strohblumen und Narzissen) genutzt, dann ließ man sie verkommen.

1950 begann Paul Ricard mit der Umgestaltung des Hafens und dem Bau des kleinen Dorfs, der Hotels und der Museen (darunter das Museum für Wein und Spirituosen, das 1958 eingeweiht wurde). Der kunstbegeisterte Paul Ricard, der in seiner Freizeit gerne malte, wollte die Insel zu einem Künstlertreffpunkt machen. Demzufolge sind überall auf der Insel Statuen und Kunstwerke verstreut.

Er initiierte auf Bendor auch zahlreiche Wassersportaktivitäten, insbesondere eine Segelschule und eine internationale Tauchbasis.
1951 ließ er die Statue einer „Madonna der Fischer“ errichten. Diese wurde vom Bischof Gaudel gesegnet, anlässlich eines großen religiösen Festes, bei dem „Flugzeuge im Tiefflug über die Insel flogen und auf dem Tragflügel wendeten...“.

 

                     Paul Ricard

                         (c) Lesilespaulricard

                   

 

Markierung 7 : André Deferrari-Stadium

 

Das städtische Stadion „La Corniche“ wurde 1974 von Bürgermeister François Fabre eingeweiht.   Es wurde in „André Deferrari-Stadium“ umbenannt, als dieser 1977 im Alter von 57 Jahren verstorben ist.

Es war eine spontane Ehrerweisung der Gemeinde für den Mann, den alle unter dem Spitznamen „Dédé“ kannten.   Jeder hatte schon einmal zu tun mit dem liebenswerten Lehrer, dem unverzichtbaren Betreuer der „Union Sportive Bandolaise“ (USB), dem unermüdlichen Sekretär so vieler Unternehmen.

Er war ein netter, einfacher und stetig hilfsbereiter Mann.   Der Fußballnarr bleibt jedem als Seele des Sportvereins von Bandol in Erinnerung.

 

Zavatta Ehrenpräsident der USB

 

 

Markierung 8 : Aufstieg zum Schloss

Das Schloss von Antoine Boyer wurde 1610 erbaut, in dem Jahr, in dem Maria de Medicis in der Kathedrale von Saint-Denis zur Königin gekrönt (13. Mai) und ihr Gatte Heinrich IV. am darauffolgenden Tag ermordet wurde.

  Als sich Bandol im August 1715 von seiner Muttergemeinde La Cadière trennte, wurde das Schloss nicht nur zum Wohnsitz der Familie Boyer de Foresta und zum Bollwerk der Region, es war gleichzeitig auch der Hauptsitz für Administration, Justiz, Religion und die Verwaltung des neu entstandenen Dorfes.

Der letzte Grundherr von Bandol, Ange Hilaire de Boyer, kehrte dem Dorf den Rücken zu und zog nach Paris. Das aufgegebene Schloss ließ er verfallen. 1791 begann Ange Hilaire, Teile seiner Ländereien und Güter zu verkaufen (Urkunden wurden vom Notar Hermitte de Saint Nazaire in Sanary aufgenommen).

Der Rest des Schlosses wurde 1793 zerstört und zu einer Batterie umfunktioniert, die unter dem Befehl von Pons de l‘Hérault die Küste verteidigen sollte. (cf. Markierung 5)   Ab April 1795 wurden die Ruinen des Schlosses vollständig abgerissen, gemäß einem von Paul Barras und Louis Fréron unterzeichneten Erlass.

Ein gewisser Louis Bouffier, ein Unternehmer, erwarb sie bei einer Versteigerung. Die Steine des Schlosses transportierte man per Boot nach La Cride, wo sie für den Bau einer weiteren Batterie dienten. Es wird gemunkelt, dass einige dieser Steine auch für den Hafenpier verwendet wurden. (cf. Markierung 5)

Im Juli 1795 verkaufte Ange Hilaire de Boyer die Reste des Schlosses und seiner Güter an Gaudin de la Grange, der sie einen Monat später an Jacques Fortier de Troyes weitergab. Es war der letzte Akt der Grundherrschaft.
 
1905 erwarb Augustine Tholosan das Fort und die Terrassen, die M. Arden gehörten. Ihr Neffe Louis Jean Tholosan erbte ihre Ländereien mitsamt Fort. Letzterer verkaufte das Land außerhalb der Schlossmauer an diverse Personen, insbesondere den nordwestlichen Teil an M. Crochat. 1923 verkaufte er das Fort innerhalb der Abgrenzung an den Makler Auguste Gras, der daraus eine Wohnsiedlung machte (die ein Erlass des Präfekten vom 12.7.1926 anerkennt) und diese als Einzelparzellen für den Bau von Villen weiterverkaufte.
 
In den 50er-Jahren wurden die zwei imposanten Säulen am Schlosseingang, die das herrschaftliche Wappen trugen, bei privaten Bauarbeiten zerstört. Auf der östlichen Seite des Felsvorsprungs verlief eine lange Mauer, die am Weg zum Schloss hinauf begann und im Meer endete (genau an der Stelle, wo sich heute die „Prud‘homie“ befindet). Sie trennte das Schloss von dem in Teilen schon vorhandenen, zukünftigen Dorf Bandol!

 

Fort und Schloss von La Motte - Ausschnitt des Gemäldes von Joseph Vernet (1714-1789):

"Almadraba oder der Thunfischfang, Blick vom Golf von Bandol“  Musée National de la Marine, Paris

 

Markierung 9 : Schlossplatz

 

Auf Geheiß des Herzogs von Éperon (Kommission vom 10. Mai 1594) errichtete Antoine Boyer 1594 das Fort von Bandol auf etwa 3 Hektar der Halbinsel La Motte.  Es ist das einzige wirklich historische Relikt des Dorfes.
 
Zwischen Villen und Gärten erkennt man noch einen Eckturm und zwei Teile der Ringmauer. Auf dem Areal einer dieser Villen befindet sich der 12 m tiefe Brunnen, der in der Mitte des Forts gestanden hatte.

 

Turm und Mauer des Forts

 

Markierung 10 : Strand von Renécros

 

Natürlich hat es nie einen Monsieur René Cros gegeben, dem in der Nähe ein Grundstück gehört hätte.
 
Der Name des Strandes könnte entweder aus der Kontraktion von „arenas“ und „cros“ entstanden sein, was sandige Bucht bedeutet, oder aus dem provenzalischen Wort „rena“, ein Synonym für knurren, grollen.
In Verbindung mit „cros“ ergab dies „die grollende Bucht“, was auf das Geräusch des Meeres anspielte, wenn es, vor allem bei starkem Wellengang, gegen die Mauern der umliegenden Häuser schlug.
 
Der Strand, wie wir ihn heute sehen, ist das Ergebnis einer Umgestaltung, die François Fabre 1965 in die Wege leitete, um den Sand zurückzuhalten. Zu diesem Zweck wurde der Deich angelegt. Der zwischen dem Golf Hotel und La Goélette gelegene Strandabschnitt war immer schon sandig, der Rest war nur ein schmaler Streifen von Kieseln und Sand, der in manchen Jahren von Winterstürmen durchbrochen wurde.


Das Golf Hotel erhielt von der Gemeinde die Genehmigung, zwei Jahre lang Spiele - Boule, Baccara - und Tanzabende veranstalten zu dürfen. 1924 wurde aus dem Hotel das städtische Casino, und 1930 eröffnete das Casino, das wir heute kennen.

 

Strand von Renècros - im letzten Jahrhundert

 

 

 


Strand von Renècros - 2018

(c) Benjamin Marziac

 

Markierung 11 :  Windmühle

Als der Grundherr François II.de Boyer de Foresta 1715 das „Lehen“ Bandol erhielt, verpflichtete er sich, zugunsten der Bevölkerung eine Windmühle zu errichten und die mit ihr verbundenen Steuern und Abgaben zu erheben. Um den dringenden Nahrungsmittelbedarf zu decken, wurde zuerst ein Gemeindebackofen gebaut, in dem die Einwohner ihr Brot backten.

Dann wurde unterhalb des Forts und des Herrschaftsschlosses, im Viertel St Esprit auf der östlichen Seite des Felsvorsprungs von La Motte, mit dem Bau einer Windmühle für die Gemeinde begonnen.

Bandol Windmühle - 1902

 

Markierung 12 : Hotel L’Ile Rousse
 

Ursprünglich befand sich an der Stelle eine Weide, auf der Schafe und Ziegen grasten, dann erwarb Mistinguett das Grundstück und ließ darauf ihre Villa bauen: die Villa „Youp la la“.
 
Anschließend eröffnete Monsieur Bazot hier ein Sportzentrum - eine wahre Institution für die Jugend von Bandol und für Sommerurlauber. Es gab Volleyball, Tischtennis, Fitnessräume, diverse Spiele und sogar Liegestühle zum Faulenzen und Sonnenbaden.
 
1960 wurde das Hotel Île Rousse nach Plänen von Fleury und Claude Linossier gebaut. Die Skulptur der Fassade stammt von Gabriel-Antoine Cotel.  2010 wurde es von Gilles Terrone renoviert.

 

Mistinguett - 1911

(c) Wikipedia

 

Hotel Ile Rousse 5 * - 2018

(c) Hotel Ile Rousse- Thalazur

 

 

 

Markierung 13 :  Villa „Lumen“ von Louis Lumière

Louis Jean Lumière wurde am 5. Oktober 1864 in Besançon geboren und ist am 6. Juni 1948 in Bandol gestorben.
 
Die meiste Werbung erhielt Bandol vonseiten bekannter Persönlichkeiten aus der Welt des Kinos. Unter ihnen Louis Lumière, der Erfinder des Kinematographen, der 1895 den Film „Die Ankunft eines Zuges auf dem Bahnhof in La Ciotat“ drehte. Er war Erfinder, Industrieller, Künstler, Fotograf, Forscher...

Und er entschied sich, seinen Lebensabend in Bandol zu verbringen. Zuerst waren es Nachbarschaftsbesuche - sein Vater wohnte in La Ciotat -, dann stieg er öfters im Grand Hôtel ab oder mietete eine Villa in Montée Voisin.  Im September 1936 kaufte er dem Ehepaar Souchon „Les Ruines“ ab, eine barocke Villa, die er „zivilisierte“, indem er dort „Lumen“, seinen Wohnsitz, und „Altra“, sein Labor mit Projektionsraum, einrichtete. Einige Einwohner von Bandol erinnern sich an „seine große Statur; den gebeugten Rücken, das weiße Haar, die buschigen Brauen“. (R. Culioli)
 
Er war Ehrenbürger von Bandol und Ehrenpräsident des Fremdenverkehrsamts der Stadt.
 
1937 freundete sich Aris Tavitian mit Louis Lumière an. Aris war 28, Lumière 74.    
Gemeinsam stellten sie 1938 für das Fremdenverkehrsamt die erste Informationsbroschüre über Bandol zusammen.

 

Louis Lumière in seinem Labor

 

Louis Lumière vor der Bucht von Bandol

 

 

 

 

Markierung 14 : Villa „La Tartane“

Dem Bildhauer Henri-Edouard Lombard (1855-1929) ist das Ehrenmal am Anfang der Allées Alfred Vivien zu verdanken (cf. Markierung 27).
 
Henri, seine Frau Elise und ihre Tochter Annie lebten viele Jahre lang in der im romantischen Stil gebauten Villa „La Tartane“ auf dem Boulevard Victor Hugo.
 
Der in Marseille geborene Henri-Edouard Lombard besuchte die Kunsthochschule seiner Heimatstadt, wie auch sein älterer Bruder Frédéric, der sich der Architektur zuwandte. Er war ein Schüler des Bildhauers Antoine Bontoux. Nachdem ihm die Stadt ein Stipendium gewährt hatte, ging er nach Paris, wo er im Atelier von Pierre-Jules Cavelier arbeitete. Ab 1878 nahm er an der Kunstausstellung der „Société des Artistes Français“ teil.   Mit seiner Statue „Sainte-Cécile“ gewann er dort 1880 die Silbermedaille. Henri-Edouard Lombard erhielt 1882 den Zweiten, 1883 den Ersten Großen Rompreis für sein Bas-Relief „Der Tod des Diagoras von Rhodos“. Von 1884 bis 1887 hielt er sich in Rom im Internat der Villa Medicis auf. Anschließend startete er seine offizielle Karriere. Neben staatlichen Aufträgen, beispielsweise die Statue von Pierre Puget, schuf er auch dekorative Werke für Privatpersonen.


Er wurde 1894 zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Im Jahr 1900 gewann er bei der Weltausstellung die Goldmedaille und bekam an der Hochschule für bildende Künste eine Stelle als Abendkurslehrer für Bildhauerei, die er bis zu seinem Tod 1929 innehatte.
 
Sein Grab liegt auf dem Friedhof von Bandol.
 
„La Tartane“ ist heute das Atelier des Architekten Rudy Riccioti (geb. am 22. August 1952 in Kouba, Algerien), Grand prix national d’Architecture (2006), Mitglied der „Académie des technologies“ (2014).
 
Er erhielt 2002 einen bedeutsamen Auftrag für die zweitgrößte Stadt Frankreichs: das Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers (MUCEM) in Marseille. Das Gebäude wurde zu einem optischen Erkennungsmerkmal der Stadt.
 
Eine Tartane ist ein typisches Mittelmeer-Segelboot. Der Name soll sich vom arabischen Wort „taridah“ ableiten, was „Schiff“ bedeutet. Die Tartane war ein Multifunktionsboot, das überall segelte, vor allem im westlichen Mittelmeerraum. Es war ein beliebtes Transportmittel für Güter, das erst im frühen 20. Jahrhundert von der Bildfläche verschwand.

 

 

Villa La Tartane - heutzutage (c) idc

 

 

Villa Médicis Pensions Gasten - 1885

 

 

 

 

 

 

Markierung 15 : Villa „ La Pinède“

 

Im Dezember 1945 zog Georges Bernanos mit seiner Familie in diese Villa ein, die heute eine Residenz ist. Er blieb neun Monate. Georges Bernanos war ein französischer Schriftsteller, geboren am 20. Februar 1888 im 9. Arrondissement von Paris und gestorben am 5. Juli 1948 in Neuilly-sur-Seine, im Alter von 60 Jahren.
 
Er ist vor allem bekannt für:  „Die Sonne Satans“ (1926), „Tagebuch eines Landpfarrers“ (1936), „Die großen Friedhöfe unter dem Mond“ (1938) und „Gespräche der Karmelitinnen“, das 1948 posthum veröffentlicht wurde.
 
In den 30er-Jahren verweilte er zuerst auf Mallorca, dann in Toulon und Hyères in Südfrankreich. Nach einem langen Exil in Brasilien, von 1938 bis 1945, kehrte er mit seiner Familie nach Frankreich zurück.
Die Bernanos-Familie ließ sich in Briasq in der Nähe von Sisteron und danach in Bandol in der Villa „La Pinède“ nieder, wobei Georges meistens im Café de la Marine gegenüber dem Meer schrieb. Im September 1946 verließ er Bandol und ging nach Thoisy im Departement Loir-et-Cher.
 
Einer der Nachbarn von „La Pinède“ war der französische Schauspieler Raimu. Bernanos bewunderte diesen sehr und besuchte ihn oft. Die beiden Männer, die sich charakterlich ähnelten, kamen gut miteinander aus.

 

Georges Bernanos -  1940

(c) Wikipedia

 

Markierung 16 : Villa „La Ker Mocotte“

Jules Auguste Muraire, genannt RAIMU, 1883 in Toulon geboren und 1946 in Neuilly sur Seine gestorben, kaufte 1933 diese Villa. Er taufte sein Ferienhaus, das eine Mischung aus Steinen, Holz, Mauern und Bäumen war, auf den Namen „Ker Mocotte“, in Bezug auf die bretonischen Wurzeln seiner Frau Esther. Im Bretonischen bedeutet „Ker“ Weiler oder Haus, und „les mocos“ ist der Spitzname für Südfranzosen. „La Ker Mocotte“ war demnach das Haus der Mocos.
 
Als Schauspieler erlangte Raimu dank Sacha Guitry in den 30er-Jahren und dank Marcel Pagnol in den frühen 40er-Jahren Berühmtheit.
 In Bandol empfing er seine Freunde Henri Poupon, Charles Blavette, Edouard Delmont und Henri Vilbert.
Pagnol besuchte ihn.  Er war mit Fernandel befreundet. Die Einwohner von Bandol blickten voller Bewunderung auf diese Schauspieler, die lebten und sprachen wie sie selbst und der Stadt eine fröhliche Berühmtheit verschafften.
 
1944 stürzte eine große Kiefer auf die Ker Mocotte. Riesige Mauern mussten hochgezogen werden, die Villa verwandelte sich in eine Festung, bis Raimu sie schließlich verkaufte. Eine Zeit lang war sie ein Hotel, heute ist sie in Privatbesitz und wurde komplett umgestaltet.

 

Raimu in seinem Garten

 

 

 

 

Markierung 17 :   Die Schule

 

Die Schule wurde in jenem Gebäudekomplex eingerichtet, in dem Anfang des 20. Jahrhunderts das neue Internat von Alfred Vivien untergebracht war (cf. Markierungen 1 und 18), in der Rue des écoles Nr. 1. Letzteres war zu klein geworden und veraltet.
 
Die ersten Gebäude stammen aus der Zeit der Stadtverwaltung unter Lucien Bagarry. Sie wurden von 1906 bis 1908 gebaut.
 
Die Einweihung der Schule fand am 8. Oktober 1908 in Gegenwart des Ratspräsidenten, Georges Clémenceau, statt.  Sowohl die lokale als auch die überregionale Presse berichteten davon.  Allein das Bankett für 515 Personen, das in der Rue des Écoles serviert wurde, zeigte, wie bedeutend dieses Ereignis war.
 
Ab 1912 verschlechterte sich der Zustand der Schule. Die Finanzlage war katastrophal, und das für die Geländebeschaffenheit ungeeignete Fundament erforderte dringend bauliche Maßnahmen. Im Ersten Weltkrieg wurde dann auch noch die Jungenschule beschlagnahmt und zu einem Lazarett umfunktioniert.
 
Der steinreiche russische Prinz Galitzine ist allen in Erinnerung geblieben, da er viel für die Gemeinde Bandol gespendet hat: Um das Schicksal der Kranken und Verletzten zu verbessern, übernahm er die Installationskosten für eine Zentralheizung in der beschlagnahmten Schule, für eine Warmwasserzufuhr in alle Räume und für die komplette Einrichtung eines OPs und eines Behandlungszimmers.
 
Nach dem Krieg war die Stadtverwaltung aufgrund der finanziellen Notlage und des Ausmaßes der Sanierungsarbeiten gezwungen, die Schule 1925 zu schließen.
  1935 entschied Bürgermeister Octave Maurel, der das Internat Vivien besucht hatte, die öffentliche Schule wieder herzurichten. Der Architekt Fleury Linossier entwarf die Pläne.
 
Am 24. Juni 1972 wurde die Schule in „Groupe Octave Maurel“ umbenannt (letzterer ist 1968 gestorben).

 

Markierung 18 : Hero und Leander Place Lucien Grillon

 

Die Marmorskulptur des Bildhauers Paul Gasq, die Hero und Leander darstellt, stand zunächst an der Ecke der Rue Pierre Toesca und der Rue des Tonneliers (Agence Boyer), wurde dann in den Parc du Canet verlegt, bevor sie auf der Place Lucien Grillon ihren endgültigen Standort fand.


Paul  Jean  Baptiste  Gasq  (Dijon  1860-Paris 1944) hat an der Kunsthochschule von Bordeaux und, ab 1879, an der Hochschule für bildende Künste in Paris studiert. 1890 gewann er den Ersten Rompreis und war von 1891 bis 1894 im Internat in der Villa Medicis in Rom.

Auf der Weltausstellung (1900) gewann er einen Grand Prix. Mitglied der Akademie für bildende Künste ab 1935. Von 1932 bis zu seinem Tod war er Kurator des Museums von Dijon. Die Geschichte von Hero und Leander stammt aus der griechischen Mythologie. 

Hero war eine Priesterin der Aphrodite in Sestos, die allnächtlich in einem Turm eine Lampe anzündete, um ihrem Geliebten Leander, der zu ihr hinüberschwamm, den Weg zu weisen. In einer stürmischen Nacht erlosch die Lampe und Leander ertrank. Nachdem Hero Leanders Leichnam am Ufer entdeckt hatte, stürzte sie sich aus Verzweiflung vom Turm in den Tod.
In dem heutigen Gebäude auf dem Platz war früher die Mädchenschule untergebracht.
Nach elf Jahren Verhandlungen, die Bürgermeister Rouden 1872 initiiert hatte,
verkündete Alfred Vivien am 1. Mai 1884 dem Stadtrat, dass der Präfekt die endgültige Regelung für den Bau besagter Schule genehmigte.


Unter der Stadtverwaltung von Octave Maurel wurde im Oktober 1935 die Mädchenschule definitiv in den Schulkomplex integriert. Die Gebäude dienten während der deutschen Besatzung und bis 1954 als Übergangsrathaus (cf. Markierung 25). Heute bilden sie den Eingang zu einem Verwaltungs- und Kulturzentrum (logistische Dienste der Stadt, Espace Paul Ricard).


Dieser Platz ist Lucien Grillon gewidmet (1903-1997), Lehrer, Leiter des damaligen „Cours Complémentaire“ und dann, bis zu seiner Rente 1962, des „Collège d‘Enseignement Général“ sowie der Grundschule für Jungen. Er saß mehrere Mandate lang im Stadtrat und wurde im Alter von 74 Jahren stellvertretender Bürgermeister von Christian Goux. Angetrieben von seiner Faszination für Bandol recherchierte er in der Geschichte und verfasste mehrere Bücher über die Gemeinde.

 

Héro & Léandre, Place Lucien Grillon

(c)petitpatrimoine.com

 

 

Paul Gasq (1860-1944) 

 

Markierung 19 : Galerie Ravaisou

 

Joseph Ravaisou wurde am 11. November 1865 in Bandol geboren, wo er Zeichen- und Musikkurse besuchte.  1882 wurde er Lehrer.  Er war 17 Jahre alt.
 
1900 lernte er Cézanne bei einem Besuch der Weltausstellung in Paris kennen, die Malern des Impressionismus und des Pointillismus gewidmet war. Er freundete sich mit Paul Cézanne an, und beide malten im „Château Noir“ in der Nähe von Tholonet Ravaisou war überwiegend ein Landschaftskünstler, der die Provence, vor allem aber das Pays d‘Aix, im Herbst malte. Er starb am 22. Dezember 1925 in Aix-en-Provence.

Seine Werke sind im Musée Granet in Aix-en-Provence, in Marseille, Martigues und Paris zu sehen.

 

 Joseph Ravaisou (c) artnet.com

 

"Bastidon im Escracho Pevous, Sainte-Victoire Berg" (c) artnet.com

 

 

 

Markierung 20 : Maison Tholosan

 

Mitte des 19. Jahrhunderts war dieses riesige Gebäude in zwei Weinkeller aufgeteilt: Der große Keller gehörte Henri Bergasse, der kleine gehörte Joseph Cachard.

Beide waren Weinhändler. 

1860 kam Bergasse mit Isidore Brun ins Geschäft, einem bekannten Küfermeister. Isidore Brun, Bergasse und Cachard herrschten über den Weinmarkt von Bandol. Ihre Erfolgsgeschichte endete 1875, als die Reblaus die 350 Hektar Weinberge des Anbaugebiets vernichtete.
 
1911 verkaufte Isidore Brun die kleine Kellerei an Marie-Augustine Tholosan. 1923 verkaufte sein Sohn, der Arzt Louis-Marie Brun, die große Kellerei an Jean, den Bruder von Marie-Augustine. Die Familie Tholosan war auf dem Gebiet der Floristik bewandert und machte aus den Weinkellern einen großen Blumenladen.

Narzissen zählen zu den meistgepflanzten Blumen in Bandol. Aus Strohblumen ist ein ganzer Handwerkszweig für Trauerkränze und gefärbte Trockenblumen entstanden. Ab 1953 ging es mit dem Blumengeschäft allerdings bergab. 1979 kaufte die Stadt Bandol das Maison Tholosan. Umgehend sah man es als „Gemeindezentrum“ an, bis es 1981 zu einem Kulturzentrum umstrukturiert wurde. Seit 2017 ist es, wie früher, ein „Maison des Associations“, ein Verbandshaus.

 

" Maison Tholosan ", rue Gabriel Péri.

 

Markierung 21 : Pfarrkirche Saint François De Sales

„In ihrer architektonischen Form“ steht die Kirche seit dem 23. August 1990 unter Denkmalschutz.


Am 25. März 1746 beschloss die Verwaltung von Bandol, auf eigene Kosten eine Kapelle in der Gemeinde bauen zu lassen. Der Grundstein wurde gelegt, doch wegen Geldmangels zogen sich die Bauarbeiten bis 1748 hin. Mit dem Bau war der junge Maurer Joseph Suquet beauftragt.
Es entstand der Mittelteil der heutigen Kirche.

Das Bauwerk ist 34 m lang, 9 m breit und 12 m hoch. Die Kuppel des Chores gipfelt in 16 m Höhe. Am 18. Oktober 1748 wurde die Kirche von Bischof Henri de Belsunce gesegnet und, per Erlass vom 5. Juni 1751, unter dem Namen und Titel St François de Sales zur Pfarrkirche ernannt.

Schon bald war das Mittelschiff zu klein für die Aktivitäten der Kirche. Auf Anregung zweier Bruderschaften wurden dem Gebäude zwei seitliche Kapellen hinzugefügt.
Am 27. Dezember 1771 erhielt die Seefahrer-Bruderschaft Saint Elme die Genehmigung, eine Kapelle neben dem Mittelschiff zu bauen und beide mittels eines Bogens zu verbinden.
Im Mai 1772 wählte der Priester Gardon die östliche Seite der Kirche als Baubereich aus. Den Auftrag hierzu erhielt erneut der Maurer Joseph Suquet. Die Bauarbeiten endeten 1773, und dieses Datum wurde in den Stein graviert, den man heute noch über dem Eingangstor erkennt. 1776 wünschte sich Priester Gardon eine weitere Kapelle für die Bruderschaft St Vincent de Paul des Pénitents noirs, in der Weinbauer und Küfer zusammenkamen. Joseph Suquet begann 1782 mit den Bauarbeiten.

Die Kapelle wurde 1783 eröffnet. Während der Revolution fanden in der Kapelle Saint Vincent patriotische Versammlungen statt. Da sie keine Verbindung zur Kirche hatte, verkaufte man sie 1798 als Nationalgut. Bis zu ihrem Rückkauf am 2. Mai 1817 wurde sie als Schafstall genutzt. Ab 1818 unterstand sie wieder der Kirche.  Im Glockenturm, der am 11. März 1824 fertiggestellt wurde, diente eine kupferne Glocke als Uhr, die weithin hörbar die Stunden schlug. Am 4. Oktober 1868 kamen zwei neue Glocken dazu.
Die Pfarrkirche hat einige Kunstschätze zu bieten:

Notre Dame de Grâce, eine Statue aus dem 17. Jahrhundert, im Atelier von Pierre Puget aus einem Olivenbaumstamm geschnitzt.
Ein, wohl aus dem 16. Jahrhundert stammender Christus aus massiver Eiche; eine von Siro Osi, dem Zeichner der Mailänder Scala, bemalte Kuppel; eine Kopie des Gemäldes „Notre Dame de Lorette“ von Caravaggio.

Ein Altaraufsatz mit einer Kopie des Gemäldes „Madonna dei Pellegrini“ von Caravaggio.
Die Kirche thront mitten im Dorf auf dem Marktplatz, einem öffentlichen Platz, auf dem seit dem 19. Jahrhundert ein Springbrunnen steht. Er war ein bedeutender Handelsplatz für das Dorf.
Die Gemeinde hat noch andere religiöse Denkmäler aufzuweisen:

1-   Der Chèche-Brunnen im Park „Les Isles de Bandol“ (590 avenue Albert 1er).

Während der Terrorherrschaft versteckte ein Einwohner namens Piche die Jungfrau Notre Dame de Grâce unter Weinreben, und an dieser Stelle entsprang eine Quelle reinen Wassers.
Nach der Trennung von Kirche und Staat wurde die Statue erneut am gleichen Ort versteckt.  Sie hinterließ ihren Fußabdruck in der Nähe der Villa La Lola, die es heute nicht mehr gibt (sie befand sich östlich vom Strand Eden Roc, auf dem Boulevard Albert 1er).
Bei Straßensanierungsarbeiten ging der Abdruck 1930 verloren.


2-  Die Statue Notre Dame des Pêcheurs auf der Insel Bendor wurde am 15. Juli 1951 eingeweiht.

Jedes Jahr am 15. August wird sie abends zu einem beliebten Pilgerort.

 

Pfarrkirche Saint-François De Sales - früher...

 

... und heutzutage

 

Die Kuppel 

 

Das Mittelschiff

 

Markierung 22 : Place Isidore Brun

 

Dieser Platz war ein öffentlicher Bereich für das Dreschen von Weizen. Reben, Wein und Böttcherei trugen maßgeblich zum Wohlstand von Bandol bei, doch Weizen war unerlässlich für das Leben der Gemeinde. Geerntet wurde er im Hochsommer, mit Sichel oder Sense. Danach kamen alle auf den öffentlichen Platz, wo die Weizenschwaden ausgeladen wurden.
 
Die „Place de l‘Aire“ wurde später in „Place Isidore Brun“ umbenannt,
nach dem Küfermeister, den die Stadtverwaltung dafür ehren wollte, dass er der Gemeinde diesen Ort gespendet hatte.

Nach dem Rückgang des Weinbaus wendeten sich die Bauern dem Zierpflanzenanbau zu, insbesondere der Strohblume („immortelle“ also „Unsterbliche“, daher der Straßenname), die gut an der dürren Küste wuchs. So entwickelte sich ein Handwerkszweig für die Herstellung von Trauerkränzen. Arbeiterinnen saßen vor ihrem Haus (vor allem auf der Place de l‘Aire) und reihten fingerfertig Blumen aneinander:

Unter fröhlichem Geplapper nahmen sie eine nach der anderen aus dem Mund und banden sie zusammen.
 
Der Brunnen auf dem Platz kam später dazu. Im Oratorium steht eine kleine Statue von Saint-Joseph, ein in der Provence oft verehrter Heiliger.  Das runde Gebäude in der Rue Voltaire 12 bis ist ein Relikt des Taubenschlags, der dem Herren de Boyer gehörte.

 

Brunnen, Place Isidore Brun (c) motsdusud/canalblog.com

 

Markierung 23 : Das Kloster

Die einstige Mädchenschule, die 1862 eröffnete, wurde von den „Schwestern vom Guten Hirten“ geleitet, in der Rue de l‘immortelle 6 (das Haus ist als „das Kloster“ bekannt - Der Hof befand sich an der Stelle des früheren Getreidedreschplatzes aus der Zeit der Grundherrschaft, der heutigen Place Isidore Brun)

Als der Präfekt 1884 das Bauprojekt genehmigte, wurde die Mädchenschule am Ende der Rue des Écoles errichtet (damals nannte man das Gebäude „das alte Rathaus“, heute steht dort die Mediathek).

 

Markierung 24 : Der abgedeckte Brunnen

Der Brunnen steht an der Ecke der Rue des Jardins (wo sich die Gärten des Herren de Boyer befanden) und der Traverse Aristide Briand.  Er soll 1776 gebaut worden sein. Das Kataster der Rue du Dr Marçon (früher Rue de la Bourgade) ab der Rue Voltaire (im ersten Teil der früheren Rue du puits du Noyer) gibt an, dass der Grundherr de Boyer den Zehnthof (heute das Restaurant „Le Scotch“), einen Keller, eine Herberge, einen Gemeindebackofen, Stallungen und den Taubenschlag besaß.

Es ist wahrscheinlich, dass Bonaparte im März 1794 Pons de l‘Hérault in dieser Herberge in der Rue de la Bourgade getroffen hat.

Drei Monate nach dem Fall von Toulon wurde Bonaparte, der gerade zum General der südfranzösischen Artillerie ernannt worden war und eine Inspektionstour durch Bandol unternahm, von Pons zu einem Bouillabaisse-Essen eingeladen. Eine unvergessliche Bouillabaisse, die der Kaiser noch bei seinem Aufenthalt auf der Insel Elba erwähnte - so erzählt es Pons in „Souvenirs et anecdotes de l’ile d’Elbe“.

 

Markierung 25 : Das Rathaus

Die erste Sitzung des Stadtrats fand erstmals in einem Haus statt, das dem Grundherren François II. de  Boyer de Foresta gehörte. Es stand an der Stelle des heutigen Rathauses. Das Gebäude war gleichzeitig „Gemeindehaus“, dessen Räume sich im Erdgeschoss befanden, und „Presbyterium“ (im oberen Stockwerk). Letzteres wurde 1924 abgeschafft.

Das gegenwärtige Rathaus wurde 1954 nach Plänen von Fleury Linossier am ursprünglichen Standort gebaut.

 

Das Bistro am Hafen

 

war früher ein Lokal, das „Le Suzy“ hieß. Unter den Gästen waren Marcel Pagnol und seine Freunde Raimu, Poupon, Blavette, Maupi und Monti. Suzy und ihr Mann Ernest Monti wussten, wie man vornehme, modische Kunden empfängt.

 

Suzy Bar

 

Bei Suzy trank man tagsüber ein Gläschen auf der Terrasse, abends wurde getanzt. Zu den Touristen gesellten sich Besucher aus Toulon und Marseille, die zum Feiern nach Bandol kamen, denn tanzen konnte man auch bei „Poupoune“ und im „Pot d‘Arrivée“ im städtischen Casino.

 

Das Rathaus heutzutage

 

 

 

 

Markierung 26 : Brunnen „La Salière“

Der Brunnen besteht aus zwei Marmorbecken, die ein spitzer Pfeiler trennt. Das Ganze erinnert an einen Salzstreuer, daher der Name „La Salière“.


Auf Wunsch seiner Bürger entschied Bürgermeister Alfred Vivien 1895 gemeinsam mit dem Stadtrat, eine Wasserquelle zur Verfügung zu stellen, zusätzlich zu der bereits vorhandenen auf dem Stadtplatz.

Der Brunnen „La Salière“ wurde zunächst am Quai de la Consigne aufgestellt und 1903 an die Westspitze des früheren Schlossweges verlegt, wo heute der Boulevard Victor Hugo ist.

 

Brunnen "La Salière" - 1903


Markierung 27 : Ehrenmal

Das Komitee zur Errichtung dieses Denkmals wurde am 16. Januar 1919 gegründet. Der Ehrenvorsitzende war Nicolas Sergeïevitch Galitzine.

Er war ein steinreicher, russischer Prinz und Gönner der Stadt, der sich mit seiner Familie in Bandol niedergelassen hatte (cf. Markierung 17).

Der Bildhauer Henri Lombard wählte eine Stadtbewohnerin als Modell (Marguerite Olive), die als geflügelte Siegesfigur mit Helm eine Stele an ihr Herz drückt, auf der die Namen der 64 Soldaten stehen, die im Ersten Weltkrieg für Frankreich gefallen sind.

Das Denkmal wurde am 4. September 1921 von Bürgermeister Maurice Charles eingeweiht, der zu diesem Anlass eine bewegende Rede zu Ehren der Soldaten aus Bandol hielt.

 

Ehrenmal, Place Xavier Suquet

 

 

 

Markierung 28 : Der Bahnhof

Die für den Bau der Eisenbahntrasse zwischen Aubagne und Toulon erforderlichen Gebiete wurden enteignet, gemäß einem Urteil vom 14. Mai 1856. Der Viadukt über die Rèpe, der Bandol und Sanary verbindet, wurde 1857 errichtet. Er ist 180 m lang, 27 m hoch und besteht aus neun riesigen Bögen.
 
Bedingt durch den Bau der Eisenbahn und des Viadukts herrschte ab 1857 im Hafen zwei Jahre lang ein geschäftiges Treiben. In der Tat wurden jeden Tag tonnenweise Schienen, Eichenhölzer und Backsteine angeliefert. Somit hatte der Hafen Anteil am Bau der Eisenbahn, bevor diese später mit ihm konkurrierte und ihn schließlich ersetzte.
 
1858 wurde der Bahnhof von Bandol fertiggestellt. Am 3. Mai 1859 wurde die Linie der Compagnie PLM (Compagnie des Chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée) für den Verkehr freigegeben. Es war dieser Zug, der reiche Kunden dazu brachte, sommers wie winters nach Bandol zu kommen und die Stadt somit ins industrielle und touristische Zeitalter führte.

 

Der Banhof von Bandol - 1903 (c) Wikipedia 

 

 

Markierung 29 : Städtisches Casino von Bandol

 

Die Geschichte dieses Betriebs begann im Juli 1923, nachdem Bandol als Luftkurort anerkannt worden war. Die Immobiliengeschäfte boomten und führten 1927 zur Gründung der „Société du Casino Municipal de Bandol“.
 

Das städtische Casino von Bandol öffnete im Juli 1930 seine Pforten.

Neben Glücksspielen - Boule, Roulette, Baccara - verfügte das Casino auch über einen Tanzsaal und ein Kino, wo die angesagtesten Filme gezeigt wurden. Anlässlich der Festlichkeiten zum Jahresende aller Klassenstufen der „Octave Maurel“-Schule wurde der Kinosaal zum Theater oder zu einem Aufführungsraum.
 
Das Festtagskomitee von Bandol hielt hier alle seine Veranstaltungen ab (Wahl der Bandol-Königinnen, Galas des örtlichen Sportvereins, usw.). An der Westfassade entstand das Kabarett „Pot d‘Arrivée“, wo die besten Pariser Orchester in ausgelassener Stimmung auftraten.

 

Städtisches Casino von Bandol - 1930 (c) Bandolblog.com

 

 

 

Markierung 30 : Das Drucklufttauchgerät

Das Departement Var gilt als die historische Wiege des Tauchens.
Erwähnenswert ist, dass im Juni 1943, mitten in der Besatzungszeit, das Tauchen mit einem Drucklufttauchgerät in Bandol erfunden wurde, was die Stadt zu einer Attraktion für die Entdeckung der Unterwasserwelt machte.
 
In der Tat, so erzählen es die ersten Seiten des berühmten Buches „Die schweigende Welt“ von Jacques Yves Cousteau und Frédéric Dumas, bei dem auch PhilippeTailliez mitgewirkt hat,
kam das neue, vom Ingenieur Emile Gagnan in Paris entwickelte Tauchgerät, damals gerade im Bahnhof von Bandol an.
 
Die drei Männer, die sich später die „Mousquemers“ nannten (Musketiere des Meeres) und in der am Meer gelegenen Villa Barry im Westen der Gemeinde wohnten, wählten diesen Ort, um das Gerät zu testen.
 
Die Ergebnisse übertrafen alle ihre Erwartungen.
 
Am 26. Oktober 1997 weihte Dr. Xavier Suquet, der Bürgermeister, am Strand Barry eine Bronzetafel ein
(nach einem Modell des Bildhauers und Tauchers Pierre Blanchard).
 
Und so kommen viele Besucher nach Bandol, um den Ort zu entdecken, wo die Pioniere des Drucklufttauchens gelebt haben, die, wie es Kommandant Philippe Tailliez einmal beschrieb:
„Ihnen und zukünftigen Generationen die Tore einer neuen Welt für die nachfolgenden Jahrhunderte geöffnet haben.“

 

Die 3 "Mousquemers" - 1947

 

Villa "Barry" (Hotel Residenz Clairefont heutzutage)

 

strand Barry Bronztafel - 1997

 

 

 

Diese Broschüre wurde mit der Unterstützung des Fremdenverkehrsamts von Bandol entworfen, auf Initiative von :

Max Moutte - Historiker für kulturelles, religiöses und historisches Erbe,

Biograf lokaler und korporativer Persönlichkeiten der Gemeinde Bandol -,

unter der Mitwirkung von Monique Rebuffat, Rose-Marie Grillon und Jean-Marie Schneider.